Prag, 12. – 13.09.2015

  Das fünfte Denkmal

Denkmalweihe zu Ehren des Deutschen Fußballclub Prag

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DFC Prag Gedenkveranstaltung

Prag, 12./13. September 2015

 

Nach Altona 93, dem VfB Leipzig, dem Karlsruher FV und der Berliner Britannia in den Jahren 2011 bis 2014 führte die Denkmalserie der Initiative 1903 am 12./13. September 2015 nach Prag, um den DFC Prag im Rahmen des Fußball-Traditionstages zu ehren. Wie die vier zuvor genannten Vereine erhielt der DFC in diesem Jahr die Auszeichnung durch die Initiative 1903 e.V. für seine Teilnahme an der ersten deutschen Fußballmeisterschaft, die 1903 vom Deutschen Fußball-Bund e.V. ausgerichtet wurde. Da der Verband Prager deutscher Fußball-Vereine dem Deutschen Fußball-Bund angegliedert war, durfte jener Verband einen Vertreter (seinen Meister) zur gesamtdeutschen Meisterschaftsendrunde entsenden. Dieser Vertreter sollte der deutsch-jüdische DFC Prag sein, zu jener Zeit ein spielstarker und äußerst erfolgreicher Verein auf dem europäischen Kontinent. Diese Spielstärke konnte der Verein im Laufe der Endrunde jedoch kein einziges Mal unter Beweis stellen, wenngleich der Club sogar erster Vizemeister werden sollte. Vorausgegangen ist unter anderem die ominöse bis heute nicht aufgeklärte Telegrammaffäre: Im Viertelfinale (10.05.) hätte der DFC in München auf den Karlsruher FV, den Meister des Verbandes Süddeutscher Fußball-Vereine, treffen sollen. Die Prager wussten um ihren Einfluss und ihre Spielstärke. Zudem war ihr Präsident Prof. Dr. Ferdinand Hueppe auch der erste DFB-Präsident. Entsprechende Erwartungen hatte man bezüglich der Zuschauerzahlen und wollte das Spiel nach Prag „holen“. Da dies für den KFV eine noch weitere Anreise bedeutet hätte, stimmte dieser dem Vorhaben nicht zu. Mangels Einigung und Termindruck wurde das Aufeinandertreffen der beiden Teams auf das Halbfinale verlegt. Dies war nur daher möglich, da nur sechs Vereine in der Endrunde spielten und somit Freilose verfügbar waren. Als Halbfinalspielort (17.05.) wurde schließlich Leipzig bestimmt. Der KFV bereitete sich bereits auf die Reise vor, als ein Telegramm den Verein erreichte. Die Botschaft: „Meisterschaftsspiel verlegt. DFB.“ Der Botschaft Glauben schenkend trat der KFV die Reise nicht an, während der DFC in Leipzig auf seinen Gegner wartete. Der nicht angetretene KFV wurde daraufhin qualifiziert, der DFC erreichte kampflos das Finale. Die sportliche Ehre sollte der VfB Leipzig schließlich retten, der seine bis dato fast ausnahmslos negative Bilanz gegen den DFC durch einen 7:2-Erfolg aufpolieren und somit die erste Victoria gewinnen konnte.

Gründungsurkunde DFC PRAG

Die Gründungsurkunde des DFC Prag

 

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Die Mannschaft des DFC Prag im Jahr 1904

 

Nachdem die Planungen für die vier vergangenen Veranstaltungen aufgrund lokaler Nähe und dienlicher Kontakte recht problemlos verliefen, stellte sich uns mit einer Veranstaltung zum Deutschen Fußball auf tschechischem Boden eine große Herausforderung. Doch fanden wir mit dem in Tschechien lebenden Dr. Thomas Oellermann, tätig am Collegium Bohemicum, einen nicht minder akribischen Partner für das Vorhaben. Aus persönlichem Interesse und von Amtswegen her mit der Geschichte vertraut baute er schnell Brücken und sollte die nötigen Kontakte herstellen. Als Premiumpartner zur finanziellen Förderung des Prager Traditionstages gelang es uns, den deutsch/tschechischen Zukunftsfonds zu gewinnen, ebenso den Deutschen Fußball-Bund. Schnell war klar: Um die Geschichten um den deutschen Fußball in Tschechien ausreichend zu vermitteln und alle angedachten Programmpunkte einzubetten, bedarf es zumindest einer Zweitagesveranstaltung. Als Termin wurde das Wochenende 12./13. September 2015 festgehalten. In einem mehrstündigen Themenspaziergang „DFC Prag und der Fußball in Prag“, gehalten von den Herren Dr. Thomas Oellermann und Dr. Stefan Zwicker wurden spannende Anekdoten und Geschichten zur Historie des Prager Fußballs vermittelt. Von besonderem Interesse waren dabei natürlich das Sparta-Stadion, ein Stadion, quasi mitten in der Stadt und das Letnà-Gelände, auf dem sich die einstigen Sportplatzanlagen des DFC Prag und Slavia Prags in unmittelbarer Nachbarschaft befanden. Nach einem gemeinsamen Abendessen im Hybernia, dem Gründungslokal des DFC Prag, ging es schließlich weiter ins eigens angemietete Kino Atlas. Gespielt wurde „Der ganz große Traum“ mit Daniel Brühl. Ein Film zur Entwicklung und Entstehung des Fußballs in Deutschland am Beispiel des Pioniers Konrad Koch in Braunschweig. Das eine oder andere tschechische Bier sollte den Tag beenden, bevor es am Sonntag darauf zeitig aus den Federn ging. – Denn es war Spieltag!

 

Fußballgesellschaftsspiel DFC Prag gegen Initiative 1903 – Der Spielbericht

>Das Spiel in voller Länge<

 

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Die Mannschaft der Initiative 1903 nach dem Titelgewinn

Nach 76 Jahren stand das erste Spiel des Deutschen Fußball-Clubs Prag auf dem Plan. Und diese Partie ähnelte dem Meisterschaftsfinale von 1903 rein zufällig, hatte doch der Großteil der Mannschaft der Initiative 1903 Leipziger Wurzeln. Das Gespenst von 1903 sollte sich auch noch an anderer Stelle wieder finden…

Nach einem ereignisreichen ersten Veranstaltungstag bildete das Spiel den sportlichen Höhepunkt und Abschluss des Prager Fußball-Traditionstages. Die Mannschaften trafen zusammen im Stadion von Aritma Praha, einem im Nordwesten Prags beheimateten Traditionsverein. Die Initiative 1903 lief auf im Stile der frühen Fußballzeit: Gekleidet in klassische Schnürkragentrikots mit historischen Vereinswappen traf die bunt gemischte Initiative 1903-Traditionsmannschaft auf eine von Thomas Oellermann zusammen gestellte Auswahlmannschaft, die für den DFC Prag auflief. Die 1903-Auswahl kam wie gewohnt zusammen aus ganz Deutschland. Von vielerorts sind sie angereist, die Initiativlinge: Aus Nürnberg, Berlin, dem Rhein/Main-Gebiet und aus Leipzig. In ganz Deutschland ist die Initiative 1903 damit schon beheimatet.

Gespielt wurde natürlich klassisch im 2-3-5-System mit braunem Lederball, wie dies bereits bei den Partien zuvor der Fall war. Der ehemalige Spieler Lok Leipzigs, Ralf Schreiber, agierte in der zentralen Mittelfeldposition in beide Richtung und konnte mit hohem Maß an Übersicht und Spielverständnis die Verteidigung dirigieren und Bälle gewinnen. Somit stand die Initiative hinten sicher und konnte sich auf das Spiel nach vorne konzentrieren. Mit Erfolg! Denn während man hinten nur zwei Treffer kassierte, gelangen auf des Gegners Tor sieben Treffer. Auszeichnen konnte sich dabei auch unser Mittelstürmer und Neuling Henri Schulze, der sich einige Male mit Treffern selbst belohnte.

Ein Blick auf den zwischenzeitlichen Spielstand ließ die Akteure auf dem Feld scherzen: „Das 7:2 von damals ist noch drin!“, hieß es da vereinzelt. Und tatsächlich! Da die Prager den kurzfristigen Ausfall ihres Torhüters nicht kräftegleich kompensieren konnten, fand auch der eine oder andere Fernschuss in die Maschen des DFC. Ohne zuvor eine Absprache getroffen zu haben, lautete das Endergebnis des ersten Spiels des neuen DFC Prag nach fast acht Dekaden wie das Ergebnis des ersten Meisterschaftsfinals: Mit 7:2 unterlagen die Prager der Initiative 1903 Mannschaft. Was für ein Erfolg!

 

 

 Mannschaftsaufstellung Initiative 1903

Seb. Bona        Tom Schott           Henri Schulze      Seb. Menzel               Pierre Stephan

Marcel Manicki          Ralf Schreiber       Andreas Tschorn

Heiko Freund         Jörg Schott

Philip Jacobs

 

(Reserve: Radek Krepelka, Volkmar Schneider, Uwe Emmerich-Kießling)

Hier noch zwei Tonspuren:

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